Sonntag, 25. Juli 2010

The last Wedding
























Wir haben darüber immer als das Letzte gesprochen, das wir hier machen würden. Die Abschiedsfeier quasi, mit all unseren Freunden noch mal zusammen. Noch einmal das arabische Tanzbein bis spät in die Nachtstunden hinein schwingen, in einer beständigen Tonfolge ähnlicher Rythmen. Doch, so langsam erkenne ich die meisten der Hochzeitslieder wieder! Und auch fast alle Gäste! Nun, ich hatte ja genügen Zeit zum Kennenlernen. 1 Jahr.


Nun ist es vorbei. Einfach so, wie es kommt, weil es kommen muss – der Donnerstag rückte näher und verging, der Freitag war kaum angebrochen, schon kam die Nacht zum Sonntag. Und jetzt sitze ich hier, an meinem letzten Wochenende in Bethlehem und trinke Tee. Und wedel mit den Armen, in der Hoffnung, irgendetwas zu schnappen und ganz fest zu halten, so dass es mir das Wichtigste aus diesem Jahr erscheinen würde, in das ich alle meine Erinnerungen und Gefühle packen kann. Und mir dann einrede, dadurch würde auch dieses Kapitel meines Lebens nicht einfach umgeblättert werden, sondern als beständiger Untertitel mitschwingen.

Ahmads Bruder hat geheiratet. Die Lichterketten blinkend über den staubigen Vorhof zum Haus der Sayams, war die kleine hölzerne Tanzfläche von schwitzenden Männerkörpern bevölkert. Sarah erlebte ihre eigene, ganz andere Party, auf der anderen Seite des Hauses, von Planen vor unerwünschten Blicken geschützt. Mit den arabischen Frauen, alle viel zu knapp und viel zu blinkend herausgeputzt. Ach, was schreibe ich da – es kann nie genug sein! Sie mit Ahmads Mutter und Schwestern, ich mit Tareq, Lucas, Ahmad, Thaer... all die Gesichter! Ihre Henna-Party, unsere Sahara, kaum angefangen, war aber ebenso schnell vorbei, wie es jeden Tag die Doktrin der Uhrzeiger angibt. Nach dem Freitagsgebet wurde in großer Nachbars- und Bekanntenrunde Mansaf gegessen. Mein letztes palästinensisches Nationalgericht, das sich nach Geschmacksexplosionen in Energie und Ballast wandelt. Sa7ten. Guten Appetit.

Am Freitag Abend versuchte man gleich in 3-facher Weise eine Vetrautheit und einen Abschied zu würdigen, der doch ganz unspektakulär zum gewöhnlichen Wandel der Weltgeschickte gehört. Und wir gehen auch noch von einer schönen, sicheren, in wirklich entscheidenden Punkten unbeschwerten Erfahrung in die nächste angenehme.

Sophie hatte alle Volontäre zu sich in ihren Altstadthof eingeladen. Die Hochzeit von Mo3in (Ahmads Bruder) wurde von der Abi-Bravo!-Feier

meines Cousins A3lla gefolgt, bei meiner Gastfamilie.3 Party's, 3 Letzte Male.


Es nimmt also beständig seinen Lauf. Am Dienstag schlafe ich noch einmal, ein definitiv letztes Mal bei meiner Familie. Beim Scheich auf dem Sofa. Am Mittwoch wird der Jordan über die Allenby-Bridge überquert, die einzige für (Westbank-)Palästinenser von ihrer Heimat aus zu überquerende Grenze. Und dann.. ja dann. Beirut. Damaskus, wenn die Soldaten mich durchlassen? Irgendein Last-Mi

nute-Flug nach Europa. Und Endstation Herborn, Hessen, Deutschland.

Haltestelle? „Alle Passagiere werden gebeten,

umzusteigen“ - bis der Zug erneut abfährt.




1 Kommentar:

  1. Hallo Tino,
    ich weiß nicht, wann wir uns das letzte Mal gesehen haben, aber ich verfolgte deinen Blog von Hildesheim aus seit geraumer Zeit genussvoll. Demnächst breche ich auf zu einem 2-monatigen Volunteering nach Jenin im CinemaJenin Projekt, bin gespannt auf die Westbank. Nicht nur darüber könnten wir uns hoffentlich irgendwann einmal austauschen, falls wir uns in Deutschland mal über den Weg laufen, Herborn oder so :) Du bist natürlich immer eingeladen, dir unseren Performance- und Theaterkram in Hildesheim anzusehen, ne...
    Alles Liebe und bis dann
    Marleen

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