Unser Haus!
Meine Eltern waren mit in der Schule...
Ostern? Eierdotzen auf dem Frühstücksdach!
Mit Ibrahim, einem Freund aus Bethlehem, in Jesu Geburtsgrotte
Die Gladiatoren der Neuzeit auchten auf ihre Haut. Hier: Totes Meer-Schlamm Bad
Jaqir-Palace, Intercontinental
In den Strassen von Nablis
Der Golan ... hier die UNDOF-Pufferzone zwischen Syrien und Israel (kein Friedensabkommen!)
Orthodoxe Juden in Cäsarea
Da bin ich zurück, nach so vielen Reisen und Abenteuern.
Der Tatendrang bleibt bei all den Aktivitäten auf der Strecke. Klingt paradox, so fühlt es sich auch an. Ich stehe momentan und durch jüngste Ereignisse an einem Umbruch, in dem ich meinen Alltag hier neu definieren muss. Keine Sorge, an meiner realen Situation hat sich nichts verändert, nur in der unfassbaren, so schwer einzuschätzenden zwischenmenschlichen Ebene gab es Umwälzungen und Verschiebungen, die ich sicherlich selbst zu verschulden habe. Wie wir doch alle in unserer Wahrnehmung hängen! Vom einem ins andere, ist doch alles -sogar unsere Gedanken, da durch UNSEREN Kopf geformt- subjektiv und unsere Realität. Gibt es eine andere? Gibt es euch?
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Ich habe, zu eurem Glück, ganz und gar nicht vor, über solcherlei zu schreiben. Ich schicke diesen kryptische Absatz ins Nichts hinaus, und danke euch, liebes Nichts.
Wo wir also von Wurzeln und Grenzen unserer eigenen Wahrnehmung kommen – der Teil, der am meisten an mir gewirkt, getan hat, der überhaupt dafür verantwortlich ist, dass ich meine Schritte weiter in den Sand dieser Erde drücke, hat sich mit mir vereint – meine Eltern waren hier.
Es nahte Ostern an der Hinrichtungsstätte Jesu und es nahte die Heimsuchung. Maman und Papa flogen ein, durchquerten Sicherheitschecks und Checkpoints wie wir es tun. Sie kamen und sahen meine Welt durch ihre Augen. Ich sah mich und meinen Platz hier durch sie von aussen.
So konnte ich merken, wie sehr ich auf dieses Ventil gewartet hatte, den ganze Frust, der sich durch die euch schon oft geschilderte Ungerechtigkeit und den menschlichen Tragödien hier in mir aufgestaut hatte, loszuwerden. Ich erzählte viel, wohl manchmal zuviel, von der palästinensischen Seite, wollte nicht nur historisch-ästhetische Kulturreise machen, sondern auch die Realität des Konflikts heute an den Mann bringen.
Ist es nicht das Einzige, was ich tun kann, ein bisschen etwas hinaus tragen?
Wir vergessen die andere Seite nicht. Wir gehen rüber, wir lieben „drüben“, aber es packt mich nicht mit dem gleichen Gefühl der Notwendigkeit zu erzählen. Ich kann auch die Bushaltestelle in Tel Aviv ausfindig machen, an der 22 Menschen in die Luft flogen. Aber dennoch ist es mir dringender, meinem Vater zu sagen, dass das Gebiet, in dem wir gerade unseren Mietwagen geparkt haben, arabisch war, bis eine Siedlung kam und Lebens(t)räume zerstörte, so wie es an allen Ecken geschieht und geschah.
Die Aussage meiner Mutter, es wäre für sie auch essentiel, Juden und das andere unheilige Heilige Land zu sehen, ein bisschen israelisches Strassenbild und die wunderbare Vielfalt des Staates Israels, holte mich zurück auf den Boden der Tatsachen. Hier waren wir, 4 Reisende, manche länger, manche kürzer hier, doch alle nur im Durchzug.
Wir haben viel genossen. Den Kaffee auf dem Althaus-Dach in der Sternstrasse, in der Familie von Mary Mussalam. Die Sonne schien auf unsere Nasen, während in unserem Rücken die Glocken der Geburtskirche leuteten. Wir druchzogen Städte, kehrten bei Freunden ein, ich zeigte ihnen „mein Bethlehem“. Wir assen Mansaf bei meiner Familie, und meine ganze arabische Familie maß dem gegenseitigen Kennenlernen eine große Bedeutung und viel Liebe bei – es ist hier wichtig, woher man kommt.
Meine Mütter teilten viel Verständniss, obwohl sie sich sprachlich nicht verstanden.
Auch habe ich mir den Wunsch erfüllen können, mit Sarah und meinen Eltern Gast bei Sheich Jaqir zu sein, im Intercontinental Hotel Bethlehem. Wir assen mit meinen arabischen Freunden im Restaurant, und dem Benehmen von Thaer nach zu urteilen war es klar, dass es das erste Mal für ihn in einem solchen Milieu war.
Es war also ein wirklich fröhliches Wiedersehen. Zum wirklichen Wahrnehmen unserer gemeinsamen Zeit, mit dem bewussten herannahendem Ende, war bei dem vollgepackten Reiseplan neben all dem Staunen und Bewundern kaum Zeit. Es verging sehr schnell, so schön es auch war. Im Grunde misst man seine Eltern doch immer, findet man ja nur bei ihnen diese gewisse Einbettung, bei der die Aussenwelt an Bedeutung oder auch an Gefahr verliert.
Sogar Jordanien haben wir geschafft! Die gesamte Israel/Palästina-Tour bis in den Golan, über Tel Aviv, See Genesareth, Westbank-Städte und Cesarea innerhalb einer Woche. Wadi Rum und Petra im Haschmenitischen Königreich. Jerusalem hat es meinen Eltern besonders angetan, und so kamen sie wieder mit einem großen Koffer voller palästinensischer Kleinigkeiten (sie haben meinen Koffer mitgenommen, damit ich zum Ende meines Jahres nach Syrien und in die Türkei kann) und auch voller Eindrücke, Informationen und Ansichten über den Tino, den sie hier vorgefunden haben. Es würde mich ja interessieren, wie der aussieht, für jemanden, der mich vor einem halben zum letzten Mal gesehen hatte...
So viel also zu meinen Eltern. Da ich sowieso jeden Tag durch Welten wandere -von meiner Flüchtlingsfamilie in eine christliche Privatschule, von Bethlehem nach Jerusalem, zwischen offenen und geschlossenen Kreisen- hat mich der Besuch nicht wirklich aus der Bahn geworfen. Schnell waren wir zurückgeworfen in die jeweilige Realität, und nun bin ich wieder hier, alleine in der arabischen Welt. Alleine? Ich bin immer alleine, schliesse ich meine Augen.
