Donnerstag, 29. April 2010

Heimsuchung


Unser Haus!



















Meine Eltern waren mit in der Schule...












Ostern? Eierdotzen auf dem Frühstücksdach!



























Mit Ibrahim, einem Freund aus Bethlehem, in Jesu Geburtsgrotte

















Die Gladiatoren der Neuzeit auchten auf ihre Haut. Hier: Totes Meer-Schlamm Bad









Jaqir-Palace, Intercontinental














In den Strassen von Nablis










Der Golan ... hier die UNDOF-Pufferzone zwischen Syrien und Israel (kein Friedensabkommen!)








Orthodoxe Juden in Cäsarea




Da bin ich zurück, nach so vielen Reisen und Abenteuern.

Der Tatendrang bleibt bei all den Aktivitäten auf der Strecke. Klingt paradox, so fühlt es sich auch an. Ich stehe momentan und durch jüngste Ereignisse an einem Umbruch, in dem ich meinen Alltag hier neu definieren muss. Keine Sorge, an meiner realen Situation hat sich nichts verändert, nur in der unfassbaren, so schwer einzuschätzenden zwischenmenschlichen Ebene gab es Umwälzungen und Verschiebungen, die ich sicherlich selbst zu verschulden habe. Wie wir doch alle in unserer Wahrnehmung hängen! Vom einem ins andere, ist doch alles -sogar unsere Gedanken, da durch UNSEREN Kopf geformt- subjektiv und unsere Realität. Gibt es eine andere? Gibt es euch?



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Ich habe, zu eurem Glück, ganz und gar nicht vor, über solcherlei zu schreiben. Ich schicke diesen kryptische Absatz ins Nichts hinaus, und danke euch, liebes Nichts.


Wo wir also von Wurzeln und Grenzen unserer eigenen Wahrnehmung kommen – der Teil, der am meisten an mir gewirkt, getan hat, der überhaupt dafür verantwortlich ist, dass ich meine Schritte weiter in den Sand dieser Erde drücke, hat sich mit mir vereint – meine Eltern waren hier.


Es nahte Ostern an der Hinrichtungsstätte Jesu und es nahte die Heimsuchung. Maman und Papa flogen ein, durchquerten Sicherheitschecks und Checkpoints wie wir es tun. Sie kamen und sahen meine Welt durch ihre Augen. Ich sah mich und meinen Platz hier durch sie von aussen.

So konnte ich merken, wie sehr ich auf dieses Ventil gewartet hatte, den ganze Frust, der sich durch die euch schon oft geschilderte Ungerechtigkeit und den menschlichen Tragödien hier in mir aufgestaut hatte, loszuwerden. Ich erzählte viel, wohl manchmal zuviel, von der palästinensischen Seite, wollte nicht nur historisch-ästhetische Kulturreise machen, sondern auch die Realität des Konflikts heute an den Mann bringen.

Ist es nicht das Einzige, was ich tun kann, ein bisschen etwas hinaus tragen?

Wir vergessen die andere Seite nicht. Wir gehen rüber, wir lieben „drüben“, aber es packt mich nicht mit dem gleichen Gefühl der Notwendigkeit zu erzählen. Ich kann auch die Bushaltestelle in Tel Aviv ausfindig machen, an der 22 Menschen in die Luft flogen. Aber dennoch ist es mir dringender, meinem Vater zu sagen, dass das Gebiet, in dem wir gerade unseren Mietwagen geparkt haben, arabisch war, bis eine Siedlung kam und Lebens(t)räume zerstörte, so wie es an allen Ecken geschieht und geschah.

Die Aussage meiner Mutter, es wäre für sie auch essentiel, Juden und das andere unheilige Heilige Land zu sehen, ein bisschen israelisches Strassenbild und die wunderbare Vielfalt des Staates Israels, holte mich zurück auf den Boden der Tatsachen. Hier waren wir, 4 Reisende, manche länger, manche kürzer hier, doch alle nur im Durchzug.


Wir haben viel genossen. Den Kaffee auf dem Althaus-Dach in der Sternstrasse, in der Familie von Mary Mussalam. Die Sonne schien auf unsere Nasen, während in unserem Rücken die Glocken der Geburtskirche leuteten. Wir druchzogen Städte, kehrten bei Freunden ein, ich zeigte ihnen „mein Bethlehem“. Wir assen Mansaf bei meiner Familie, und meine ganze arabische Familie maß dem gegenseitigen Kennenlernen eine große Bedeutung und viel Liebe bei – es ist hier wichtig, woher man kommt.

Meine Mütter teilten viel Verständniss, obwohl sie sich sprachlich nicht verstanden.

Auch habe ich mir den Wunsch erfüllen können, mit Sarah und meinen Eltern Gast bei Sheich Jaqir zu sein, im Intercontinental Hotel Bethlehem. Wir assen mit meinen arabischen Freunden im Restaurant, und dem Benehmen von Thaer nach zu urteilen war es klar, dass es das erste Mal für ihn in einem solchen Milieu war.

Es war also ein wirklich fröhliches Wiedersehen. Zum wirklichen Wahrnehmen unserer gemeinsamen Zeit, mit dem bewussten herannahendem Ende, war bei dem vollgepackten Reiseplan neben all dem Staunen und Bewundern kaum Zeit. Es verging sehr schnell, so schön es auch war. Im Grunde misst man seine Eltern doch immer, findet man ja nur bei ihnen diese gewisse Einbettung, bei der die Aussenwelt an Bedeutung oder auch an Gefahr verliert.


Sogar Jordanien haben wir geschafft! Die gesamte Israel/Palästina-Tour bis in den Golan, über Tel Aviv, See Genesareth, Westbank-Städte und Cesarea innerhalb einer Woche. Wadi Rum und Petra im Haschmenitischen Königreich. Jerusalem hat es meinen Eltern besonders angetan, und so kamen sie wieder mit einem großen Koffer voller palästinensischer Kleinigkeiten (sie haben meinen Koffer mitgenommen, damit ich zum Ende meines Jahres nach Syrien und in die Türkei kann) und auch voller Eindrücke, Informationen und Ansichten über den Tino, den sie hier vorgefunden haben. Es würde mich ja interessieren, wie der aussieht, für jemanden, der mich vor einem halben zum letzten Mal gesehen hatte...



So viel also zu meinen Eltern. Da ich sowieso jeden Tag durch Welten wandere -von meiner Flüchtlingsfamilie in eine christliche Privatschule, von Bethlehem nach Jerusalem, zwischen offenen und geschlossenen Kreisen- hat mich der Besuch nicht wirklich aus der Bahn geworfen. Schnell waren wir zurückgeworfen in die jeweilige Realität, und nun bin ich wieder hier, alleine in der arabischen Welt. Alleine? Ich bin immer alleine, schliesse ich meine Augen.


Montag, 12. April 2010

Kids of this world
















Wenn Träume fliegen lernen, bleibt die Realität am Boden.
Wenn die Realität am Boden zerstört ist, sind den Träumen die Flügel gestutzt.

ZentriertHaben gefallene Engel Kraft zum Strahlen?

Sonntag, 11. April 2010

Unverkäufliches Muster




















Letztens kam mein Onkel Maher, als Schafsschlachter am Opfer-Fest von allen liebevoll Hitler genannt, mit seiner weissen, ziemlich ollen Pille an. Dieses dämliche Auto, in seinem furchtbaren Zustand unzuträglich für Umwelt und Insassen, ist das einzige, was wir in unserer Riesenfamilie besitzen und so ziemlich typisch für viele Autos, die hier auf den Strassen knattern. Durch die doppelten Importzölle an sowohl Israel als auch Palästinensische Autonomiebehörte, vor allem aber durch die wirtschaftliche Abriegelung des Westjordanlandes, sind Autos hier um ein grossen Teil teurer als bei uns. Ich hatte schon öfters das Vergnügen, diese alte Schüssel, wohlgemerkt ein kleines Handwerkerauto, unseren Hausberg 7 mal hoch zu schieben, um beim runterrollen den Motor anspringen zu lassen. Deprimierend ist es schon, wenn es dann immer noch nicht klappt...


Maher kam also an. Und der Grund des Rausstürmens aller Kinder aus allen erdenklichen Schlupf- und Spiellöchern unseres von Schafen und Müll (hier allerdings als immer brauchbares Fertigungsmaterial für alle möglichen Angelegenheiten angesehen) bewohnten Vorhofes war nicht, dass der Auspuff noch einmal kurz vor Erlöschen einen Bombenanschlag nachspielte.

Maher brachte Essen.

Die UNRWA hatte an alle offiziellen Flüchtlinge Lebensmittel verteilt, so wie es im vierteljährlichen Turnus bei uns geschieht.. es hiess nun Zucker- und Mehlsäcke schleppen, was meinen kleinen Bruder Mohammad, obgleich er so braun gebrannt ist, als kleines Gespenst wiederkommen liess. Es hiess auch sich um die Anzahl der Ölflaschen arabisch auseinander zu setzen, die jeder Haushalt und vor allem mein Opa (ganz entschieden für 3 Flaschen für ihn, obwohl er nicht selbst kocht) bekommen sollte; arabisch heisst hier natürlich, dass der Geräuschpegel entsprechend laut und der Ton entsprechend scharf war.


Nun backen wir glücklich Ma3moul. Und wenn meine Mutter dann nachfetten möchte, leuchten mir eben 12 euopäische Sterne entgegen. Und wenn dem Scheich der Magen zwickt, hole ich ihm vom clever mit oben genanntem „Müll“ gebauten Regal eine Tablettenpackung mit Lorbeerkranz und Weltkugel.


http://www.unrwa.org/



Mittwoch, 7. April 2010

Nacherzählung Teil II - Hebron

„Sorry, may we take a photo please?“ – „Yeah, sure, but over there are a lot more of soldiers..“, sagte der junge Soldat, mit I-Pod im Ohr an einen Olivenbaum gelehnt. Er hütete die Taschen seiner Kameraden und richtete sich nach unserer Bitte in eine photogene Position. Dass wir eigentlich nicht die israelischen Soldaten, sondern die zwei unheimlichen MG-Berge säuberlich aufeinander gestapelter Schusswaffen an dieser Heiligen Stätte ablichten wollten, schien er nicht zu bemerken.















Seit dem 7. Jahrhundert ist Hebron eine arabische Stadt. Im 16. Jahrhundert flüchteten sephardische (das heisst spanisch-stämmige) Juden in die Stadt Abrahams und führten die Glassbläserei ein, für die die Stadt seither berühmt ist.
Auf Arabisch heisst die Heilige Stätte mit der Grabeskammer Abrahams und seiner Söhne Al-Halil, der Freund. Abraham, Stammvater der 3 großen hiesigen Religionen, ist nach dem Quran durch sein gutes Gemüt Gottes Freund... freundschaftlich geht es hier aber leider seit längerem nicht mehr zu.

Wir waren wirklich geschockt. Ich meinte, schon einiges an Unwürde und menschlichen Abgründen gesehen zu haben, aber dass Menschen durch fanatische Überzeugungen so sehr die Menschenrechte und -würde vergessen können, wie es in Hebrons Altstadt der Fall ist, war mir noch nie vor die eigene Netzhaut geraten. Man sieht Nachrichten und hört von Massakern im Kongo. Man liesst über Guantanamo. Aber es schnürt einem die Kehle zu, wenn man mit eigenen Beinen vor Ungerechtigkeit steht, die ihren Ursprung in Hass findet...
Soll ich enträsteln?
Seit dem Osloer Abkommen, Ergebniss der Friedensstimmung der 90er, und dem Errichten der Palästinensischen Autonomiebehörde mit dem dazugehörenden System der A-, B- und C-Gebiete, ist Hebron als Kernstadt A-Gebiet und daher Autonomieareal. Da es sich aber um eine für Juden Heilige Stadt handelt, wurden zunehmenden Siedlung um die Region gebaut. Sie rückten näher und näher und beschnitten mit ihren militärischen Infrastrukturen und den obligaten Checkpoints die Bewegungsfreiheit der Araber um ihre eigene Stadt. Die Westbank ist schon nur 20% des ehemaligen Palästinas, rückt da zwanghaft vor Augen.
Im Zuge der stetigen Verletzung internationalen Rechts wurde eine von der Besatzung sich gefühlter Richtigkeit entziehende Lösung erzwungen – 20% des Stadtgebietes gingen in israelische Siedlung über. Die gesamte Altstadt samt Ibrahimi-Moschee (Grabesstätte) blieben palästinensisch.

Die Geschichte lässt hier aber nicht den Status Quo walten. Ultra-orthodoxe besetzten arabische Gebäudekomplexe, vor allem in der Altstadt, und wurden darin vom israelischen Militär geschützt. Dadurch entstand eine für die Anwohnenden unerträgliche Sitation – es wurden Strassenblockaden errichtet, sodass man seinen 100m entfernten Tabakladen nur noch mit einem 1km-Umweg um die Altstadt erreichen konnte.













„Die Strassen waren düster. Vereinzelt hatten in den engen Altstadtgängen noch Läden offen, die meisten waren aber geschlossen. Drei Jungen kamen von der Schule heim, keine 10 Jahre alt. Zwei grüngekleidete Soldaten hielten sie grob auf, drückten einen an die Wand und fragten ihn auf schlechtem Arabisch von wo sie kämen. Der Bub wurde durchsucht und wortlos freigelassen.
Es war düster hier, wahrlich... das wenige Sonnenlicht wurde von diesen Gittern zum freien Entfalten seiner Wärme gehindert. Was sind diese Gitter? Was ist der Müll darauf?“

Die religiös-fanatischen Siedler fingen an, auf die Frauen, die ihre Einkäufe tätigten, Glassscherben, Exkremente und Müll zu schmeissen. Der Großteil der arabischen Familien
haben ihren jahrhunderte alten Wohnsitz mittlerweile verlassen.






























„Der Junge rief uns zu. Wir redeten mit ihm, und fragten, ob er hier in der Altstadt wohne.. er zeigte uns sein Haus, die Dachwohnung, wo der Großvater wohnte, bevor die nebenan liegende Siedlerwohnung einen Molotov-Cocktail darauf schmiss. Es war alles russverbrannt.
Auf dem Dach spielte Sarah mit der kleinen Schwester ein Klatschspiel, während ich den Stacheldraht der „Siedlung in Miniformat“ um uns herum fürchtete. Nabil erklärte uns, warum der ganze Bereich hinter dem Haus, früher der Gemüse-Suq der Stadt, nun von israelischen Soldaten und Fahnen bestückt sei...>>Sie sagen, der eine Stand wäre früher einem Juden abgekauft worden. Das ist Grund genug, ihn sich wieder anzueignen<<. Am Ende der Strasse die den ehemaligen Suq vom muslimischen Freidhof trennt, steht ein Geschützturm. Einer von 125 Checkpoints in der Stadt. Auf den Friedhof kommt man nur noch Freitags.“ Aber die Moschee ist schön! Und die Leute sind sehr freundlich! Und mit Spanischer Hilfe hat sich eine Non-violence-NGO gegründet, die durch Wiederherrichten der Altstadthäuser die Stadt wieder beleben will. „Heborn Rehabilitation Comitee“ heisst sie.












„Zur Moschee ging es wie beim Felsendom durch Sicherheitschecks. Drehkreuze. IDF-Soldaten. Aber es gibt mittlerweile zwei Eingänge – die Moschee mit ihren prachtvollen Marmormosaiken und Fresken beherbergt nun zur Hälfte eine provisorische Synagoge, in Folge des Goldstein-Attentats. '94 lief Baruch mit einem Maschinengewehr in das Freitagsgebet und tötete 29 Betende. Die Folge war, dass der Schrein nun geteilt ist. Mein Glaube an die Macht der Ideale und der Ratio schwankt, lieber Kant!




































Es tut mir Leid, dass ich nichts angenehmeres vorbringe heute. Ich könnte von den schönen bunten Blumentöpfen erzählen, die auf einem Hausdach in der Sonne glänzten. Oder von den tollen Weinbergen in der Hebronregion. Oder von den vielen netten Leuten, die wir dort trafen.
Aber eines muss ich noch loswerden – kann ich anders als einen innerlichen Schrei an die Welt loswerden, wenn ich sehe, dass da eine 40-köpfige Frauengruppe sich ihre Babys auf den Bauch schnallt und in die von der UNRWA (United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East ) FÜR Palästinenser eingerichtete UN-Schule eindringt, sich dort verschanzt.. und die Weltorganisation der Vereinten Nationen nichts macht. Kein Geld fordert. Keine Freilassung. Jetzt ist der Bau 3stöckig und Torahschule. „?“

Es gibt auch eine andere Seite. Attentate nach dem Missglücken der Friedensbewegung. Wahrscheinlich Judenverfolgung im Ottomanen Reich. Im Geschi-LK sagten wir oft, Geschichte bedinge uns. Hier scheint Geschichte mit der Gegenwart so verworren, dass sie es noch nicht schafft, eine Lösung herbei zu führen. Jeder trägt seine eigenen Verletzungen mit sich rum, und im Hier und Jetzt scheint ein Aufwiegen von Leid und Ansprüchen Massensport zu sein. Kommt man so je zu etwas? Darf man vergangene Ungerechtigkeiten einfach übergehen? Auf allen Seiten?

„So ein Tag macht ganz schön müde. Lasst uns an etwas schönes denken, ich trink einen Tee mit viel Zucker und Salbei, meine Gastmutter macht den besten!“


Dienstag, 6. April 2010

Nacherzählung Teil I - "Im Auge des Rah"


Nach einer Reihe unverhersehbarer Zwischenfälle und einer gehörigen Anzahl durchlebbarer Abenteuer melde ich mich endlich wieder aus der Versenkung des Schweigens.

Viel mehr und viel öfters möchte ich mich mitteilen und erzählen, als es mir das Wechselbad der Erlebnisse hier ermöglicht, und so sehe ich mich nun in der misslichen Lage, einen Berg von Geschichten aufgetürmt zu haben, den ich euch zum einen nicht als solchen, sondern portionsweise als kleine Erzählhügel vorlegen kann (wer Lust auf ein 30-seitiges Kapitel hat, schreie nun – keiner? Hab ich's mir gedacht.) und zum anderen nicht chronologisch auszubreiten vermag. Mein Schlachtplan lautet, für solche, die einer regelmässigen Leseübung auf diesem Blog nachzugehen pflegen, in der kommenden Woche alle zwei Tage -insha Allah- eine Geschichte loszuwerden. Bis dass der Tot uns scheide...

Ich wühle in der Kiste und entdecke Ägypten. Schon zuvor hatte ich davon erzählt, dass Sarah und ich uns aufgemacht hatten in die Weiten des Sinai und dort unseren Freund Alain besuchten, den wir aus Jordanien kennen. Ich werde wohl einfach den Bildern Platz machen, bevor ich ins Schwelgen ausbreche, wie sehr wir Stolz sein können, nicht dem .. primitiven? Lockdüften einer Disney-Wunderland-Stadt wie Sharm-el-Sheikh zu unterliegen und es doch sehr abstrus finden, solch eine Hotel-Beton-Stadt aus dem Boden zu stampfen, wo der Wüstensand sich in einer spitzen Landmasse zum „Kopf Mohammads“ formt, um das Rote Meer vom Arm des Suez-Golfs zu trennen. Auch möchte ich euch nicht mit detaillierten Farbbestimmungen der Regenbogenfacetten quälen, die uns unsere Taucherlebnisse in Dahab offenbarten. Fische um uns herum, Korallentunnel und Sonnenschirme aus Anemonen am Meeresgrund... Bilder gibt es davon selbstredend keine, ich war viel zu sehr mit Gucken beschäftigt.

Der Sinai ist ein Ort, an dem Mose und sein Volk wahrlich annehmen mussten, Gottesfürchtigkeit und Dehmut vor dem zürnenden Allmächtigen seien die innigste Natur des Absoluten – harte, schroffe Felsformationen, Trockenheit und unendliche Weiten. Vom Rande der Sinai-Halbinsel türmen sich die Felsen mit ihren Sandbecken dazwischen bis zum Gipfel des Jabbal Moussa (Berg Moses) auf. Farbadern durchziehen diese Klüfte, und am Fusse des Berges ruht das älteste Kloster der Christenheit, die griechisch orthodoxe Sancta Catherina. Das man bei den Mönchsfrühmessen 3 Stunden stehen muss, wissen wir nach der uns erteilten Sondergenehmigung nun auch... von vollkommener Dunkelheit im Kirchenschiff wurden durch die Liturgie hindurch die alten Gemäuer Stück für Stück von einem Kerzenmeer erhellt.

Der Spontanität, die uns in diese Weltengegend verschlagen hatte, treu bleibend, verbrachten wir die Ankunftsnacht bei Jonathan, einem in Jerusalem schaffenden Künstler russischen Ursprungs. Wäre die Deutsche Sprache auf das reduziert , was sich die Chatjugend via Net hin- und hertippt, bliebe mir über ihn nur zu sagen, dass die Sonne aus seinem Arsch scheine. Und das ist etwas sehr schönes.


„Das war der erste Streich – der zweite folgt so gleich!“






Ironie -- Der Gebäudekomplex, in dem sich Touristen einmieten können, heisst "Egyptian Experience". Es ist selbstredend alles unheimlich authentisch und unheimlich lebensnah...